Editorial-Orientierung von MedAPI — kein Bestandteil der Kodieranweisung.
C19 bezeichnet eine primäre bösartige Neubildung am rektosigmoidalen Übergang, also im Übergangsbereich zwischen Colon sigmoideum und Rektum. Die genaue Höhenlokalisation ist klinisch bedeutsam, da Diagnostik und Therapie je nach Beziehung zur peritonealen Umschlagfalte und zum Mesorektum eher einem Kolon- oder einem Rektumkarzinom folgen können.
Häufige Histologien
- Adenokarzinom, meist konventioneller Typ
- Muzinöses Adenokarzinom
- Siegelringzellkarzinom, selten
- Seltene weitere maligne Tumorarten, sofern sie primär an diesem Übergang lokalisiert sind
Häufige Symptome
- Veränderter Stuhlgang (R19.4), insbesondere Obstipation (K59.09), Diarrhö (R19.4), oder wechselnde Stuhlkonsistenz (R19.4)
- Blutbeimengungen im Stuhl oder okkulte gastrointestinale Blutung (R19.5)
- Tenesmen oder Gefühl unvollständiger Entleerung (R19.88)
- Abdominelle oder pelvine Schmerzen (R10)
- Eisenmangelanämie (D50.9) oder Müdigkeit und Gewichtsverlust (R53.9)
- Bei fortgeschrittener Erkrankung: Stenose (I77.1), Ileus (K56.7), oder Perforation (K63.1)
Diagnose
Die Abklärung umfasst üblicherweise eine vollständige Koloskopie mit Biopsie und histopathologischer Sicherung. Entscheidend ist eine präzise endoskopische und bildgebende Höhenlokalisation des Tumors. Zur Ausbreitungsdiagnostik werden meist kontrastmittelgestützte CT-Untersuchungen von Thorax, Abdomen und Becken eingesetzt. Bei rektumnaher Lage kann eine MRT des Beckens zur Beurteilung von Mesorektum, Resektionsrand und lokoregionären Lymphknoten erforderlich sein. Der CEA-Wert kann als Ausgangs- und Verlaufsmarker dienen, ist jedoch nicht diagnostisch beweisend.
Staging
Die Stadieneinteilung erfolgt nach dem TNM-System und berücksichtigt:
- lokale Infiltrationstiefe des Primärtumors,
- regionäre Lymphknotenmetastasen,
- Fernmetastasen, insbesondere in Leber, Lunge oder Peritoneum.
Bei tiefer beziehungsweise rektumnaher Lage sind zusätzlich die Beziehung zur mesorektalen Faszie, der extramurale Gefäßeinbruch und die genaue Distanz zur Anokutanlinie beziehungsweise zum Analkanal therapeutisch relevant.
Molekulare Marker
Bei kolorektalen Adenokarzinomen sind insbesondere folgende Untersuchungen relevant:
- Mismatch-Repair-Status beziehungsweise Mikrosatelliteninstabilität (MMR/MSI)
- RAS-Mutationsstatus bei metastasierter Erkrankung
- BRAF-Mutationsstatus
- gegebenenfalls HER2-Amplifikation sowie seltene therapierbare Genfusionen bei fortgeschrittener Erkrankung
Die Auswahl richtet sich nach Stadium, Histologie und geplanter systemischer Therapie.
Häufige Behandlungen
Die Therapie wird interdisziplinär festgelegt und hängt wesentlich von der anatomischen Zuordnung ab:
- Onkologische Resektion mit adäquater Lymphadenektomie
- Bei eher kolonartiger Lokalisation häufig primäre Operation, gegebenenfalls gefolgt von adjuvanter Chemotherapie
- Bei rektumnaher Lokalisation und lokal fortgeschrittener Erkrankung gegebenenfalls neoadjuvante Radiochemotherapie oder totale neoadjuvante Therapie vor der Operation
- Systemische Therapie bei nicht resektabler oder metastasierter Erkrankung, abhängig von Tumorbiologie und Allgemeinzustand
- In ausgewählten Fällen lokale oder operative Behandlung begrenzter Leber- oder Lungenmetastasen
- Symptomorientierte Maßnahmen bei Stenose, Blutung oder drohendem Ileus
Scope Note
C19 kodiert die anatomische Primärlokalisation einer bösartigen Neubildung am Übergang von Rektum und Colon sigmoideum, einschließlich einer den Übergang betreffenden Läsion. Der Code legt weder Histologie noch Differenzierungsgrad, TNM- oder UICC-Stadium, molekulares Profil oder konkrete Therapie fest. Er bezeichnet keine sekundären beziehungsweise metastatischen Tumorabsiedlungen; Fernmetastasen und andere relevante Manifestationen werden gesondert abgebildet. Tumoren, die eindeutig ausschließlich dem Colon sigmoideum oder dem Rektum zugeordnet werden können, fallen nicht in diese Lokalisation.