Editorial-Orientierung von MedAPI — kein Bestandteil der Kodieranweisung.
C20 bezeichnet eine primäre bösartige Neubildung des Rektums einschließlich der Ampulla recti. Rektumkarzinome unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich lokaler Ausbreitung, Operationsplanung und Bedeutung einer Strahlentherapie von proximal gelegenen Kolonkarzinomen.
Häufige Histologien
- Adenokarzinom, mit Abstand am häufigsten
- Muzinöses Adenokarzinom oder Siegelringzellkarzinom
- Neuroendokrine Neoplasien unterschiedlicher Differenzierung
- Selten Plattenepithelkarzinom oder andere histologische Typen
Häufige Symptome
- Rektale Blutung oder Blutbeimengung im Stuhl (K62.51)
- Veränderter Stuhlgang (R19.4), Tenesmen (R19.8), oder Gefühl unvollständiger Entleerung (R39.1)
- Schleimabgang (R19.5), Stuhlverengung (K62.4), oder Schmerzen (R52.9)
- Eisenmangelanämie (D50.9) oder Müdigkeit und Gewichtsverlust (R53.9)
- Bei fortgeschrittener Erkrankung Obstruktion (K56.6), Infiltrationsbeschwerden, oder Symptome von Fernmetastasen (C79.9)
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch Rektoskopie oder Koloskopie mit Biopsie gesichert. Die vollständige Koloskopie dient auch dem Ausschluss synchroner Läsionen. Zur lokalen Beurteilung sind eine hochauflösende MRT des Beckens und bei ausgewählten frühen Tumoren eine endorektale Sonografie gebräuchlich. Das Fernstaging erfolgt typischerweise mittels CT von Thorax und Abdomen; weitere Bildgebung richtet sich nach dem klinischen Befund.
Wichtige Befundangaben sind Tumorhöhe, Beziehung zum Sphinkterapparat, zirkumferenzieller Resektionsrand beziehungsweise mesorektale Faszie, extramurale Gefäßinvasion und regionärer Lymphknotenstatus. CEA kann als Ausgangs- und Verlaufsmarker dienen, ist jedoch nicht diagnostisch beweisend.
Staging
Die Stadieneinteilung erfolgt nach TNM anhand der lokalen Wandinfiltration, regionärer Lymphknoten und Fernmetastasen. Für die Therapieplanung sind zusätzlich die Lage im oberen, mittleren oder unteren Rektum, der Abstand zur mesorektalen Faszie sowie eine mögliche Infiltration benachbarter Organe relevant.
Molekulare Marker
- Mismatch-Reparaturproteine beziehungsweise Mikrosatelliteninstabilität (MMR/MSI)
- Bei fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung insbesondere RAS- und BRAF-Status
- In ausgewählten Situationen HER2-Amplifikation oder seltene therapierbare Genfusionen, etwa NTRK
Die molekulare Diagnostik unterstützt Therapieentscheidungen und kann Hinweise auf ein erbliches Tumorsyndrom, insbesondere das Lynch-Syndrom, geben.
Häufige Behandlungen
Die Behandlung richtet sich nach Stadium, Tumorhöhe, Resektabilität, molekularen Merkmalen und Allgemeinzustand:
- Lokale Exzision bei streng ausgewählten frühen, prognostisch günstigen Tumoren
- Onkologische Rektumresektion, häufig mit totaler mesorektaler Exzision
- Neoadjuvante Radiochemotherapie, Kurzzeitbestrahlung oder totale neoadjuvante Therapie bei lokal fortgeschrittenen Tumoren
- Adjuvante oder systemische Chemotherapie je nach Stadium und Behandlungskonzept
- Zielgerichtete Therapie oder Immuntherapie bei geeigneten molekularen Befunden
- Organerhaltendes „Watch-and-wait“-Vorgehen nach kompletter klinischer Remission nur bei sorgfältiger Auswahl und engmaschiger spezialisierter Nachsorge
- Palliative lokale oder systemische Behandlung bei nicht kurativ behandelbarer Erkrankung
Scope Note
C20 kodiert den anatomischen Primärsitz einer bösartigen Neubildung im Rektum einschließlich der Ampulla recti. Der Code bildet weder Histologie oder Differenzierungsgrad noch TNM-Stadium, molekulare Merkmale oder Therapiesituation ab. Tumoren des rektosigmoidalen Übergangs oder des Analkanals gehören zu anderen ICD-Familien. Sekundäre beziehungsweise metastatische Tumorabsiedlungen im Rektum sind nicht als primäres Rektumkarzinom unter C20 zu erfassen.