Editorial-Orientierung von MedAPI — kein Bestandteil der Kodieranweisung.
C01 bezeichnet primäre bösartige Neubildungen des Zungengrundes, einschließlich der Dorsalfläche der Zungenbasis, des hinteren Zungendrittels und des fixierten Zungenteils o. n. A. Der Zungengrund gehört anatomisch zum Oropharynx und ist vom beweglichen vorderen Zungenanteil abzugrenzen.
Häufige Histologien
- Überwiegend Plattenepithelkarzinome
- Häufig HPV-assoziierte, p16-positive Plattenepithelkarzinome
- Seltener Tumoren der kleinen Speicheldrüsen, lymphoide oder andere seltene Malignome
Häufige Symptome
- Anhaltende Hals- (R07.0), Schluckschmerzen (R07.0), Dysphagie (R13.9), oder Odynophagie (R13.9)
- Fremdkörpergefühl (R19.88), veränderte Stimme (R49.8), oder undeutliche Sprache (R47.8)
- Einseitig ausstrahlende Ohrenschmerzen (H92.0)
- Blutbeimengungen im Speichel (R19.88), Gewichtsverlust (R58), oder Halitosis (R19.6)
- Zervikale Lymphknotenschwellung; sie kann bei HPV-assoziierten Tumoren das erste auffällige Zeichen sein (R59.0)
- Kleine Primärtumoren können lange symptomarm und bei direkter Mundinspektion schwer sichtbar sein (C80.9)
Diagnostik
Die Abklärung umfasst die Inspektion und flexible Endoskopie des oberen Aerodigestivtrakts sowie die Palpation von Zungengrund und Hals. Die Diagnose wird histologisch durch Biopsie gesichert, häufig im Rahmen einer Panendoskopie. CT oder MRT beurteilen lokale Ausdehnung und Halslymphknoten; FDG-PET/CT kann bei fortgeschrittener Erkrankung, unklarem Primärtumor oder zur Fernmetastasensuche eingesetzt werden.
Stadieneinteilung
Die Stadieneinteilung erfolgt nach dem TNM-System für Oropharynxkarzinome. Beurteilt werden insbesondere Größe und lokale Infiltration des Primärtumors, zervikale Lymphknotenmetastasen und Fernmetastasen. Für p16-positive und p16-negative Plattenepithelkarzinome gelten unterschiedliche prognostische Stadiengruppierungen.
Molekulare Marker
Bei Plattenepithelkarzinomen des Zungengrundes ist die p16-Immunhistochemie ein etablierter Surrogatmarker für eine HPV-assoziierte Tumorbiologie. Je nach Befund und klinischer Fragestellung kann ein spezifischer HPV-Nachweis ergänzt werden. PD-L1 kann insbesondere bei rezidivierter oder metastasierter Erkrankung für die Auswahl einer Immuntherapie relevant sein.
Häufige Behandlungen
Die Therapie wird interdisziplinär anhand von Stadium, Resektabilität, HPV/p16-Status, Funktionserhalt und Allgemeinzustand festgelegt. Mögliche Verfahren sind:
- Transorale Resektion, gegebenenfalls robotisch oder laserchirurgisch, mit selektiver oder therapeutischer Halslymphknotenoperation
- Definitive Strahlentherapie oder simultane Radiochemotherapie
- Postoperative Bestrahlung beziehungsweise Radiochemotherapie bei entsprechenden Risikofaktoren
- Systemische Therapie, einschließlich Immuntherapie, bei nicht kurativ behandelbarer rezidivierter oder metastasierter Erkrankung
- Unterstützende Behandlung mit Ernährungs-, Schluck-, Sprach-, Schmerz- und zahnmedizinischer Betreuung
Scope Note
C01 kodiert den anatomischen Primärsitz einer bösartigen Neubildung am Zungengrund, einschließlich Dorsalfläche der Zungenbasis, hinterem Zungendrittel und fixiertem Zungenteil o. n. A. Der Code beschreibt weder Histologie, HPV-/p16-Status, TNM-Stadium, Differenzierungsgrad noch konkrete Ausbreitung oder Therapie. Malignome des beweglichen vorderen Zungenanteils werden anderen Zungencodes zugeordnet. Sekundäre beziehungsweise metastatische Tumorabsiedlungen am Zungengrund sind nicht als primäre Neubildung C01 zu verstehen.