Editorial-Orientierung von MedAPI — kein Bestandteil der Kodieranweisung.
C03 umfasst primäre bösartige Neubildungen der Gingiva einschließlich der Alveolar- bzw. Kammschleimhaut. Nach der Lokalisation wird zwischen Oberkieferzahnfleisch (C03.0), Unterkieferzahnfleisch (C03.1) und nicht näher bezeichnetem Zahnfleisch (C03.9) unterschieden.
Häufige Histologien
- Am häufigsten: konventionelles Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle
- Seltener: verruköses Karzinom sowie andere Varianten des Plattenepithelkarzinoms
- Seltene maligne Tumoren kleiner Speicheldrüsen, Melanome oder Sarkome können ebenfalls in dieser Region auftreten, sofern der Primärtumor der Gingiva zugeordnet wird
Häufige Symptome
- Nicht heilende Ulzeration oder exophytische Zahnfleischläsion (K13.7)
- Blutung (R58), Schmerzen (R52.9), oder Schwellung (R60.9)
- Zahnlockerung (K08.8), schlecht sitzende Prothese (Z46.3), oder verzögerte Heilung nach Zahnextraktion (T89.03)
- Sensibilitätsstörungen, insbesondere bei fortgeschrittener Infiltration (R20.8)
- Eingeschränkte Mundöffnung oder Schluckbeschwerden bei ausgedehnten Tumoren (R13.9)
- Zervikale Lymphknotenschwellung (R59.0)
Diagnose
Die Diagnosesicherung erfolgt durch Biopsie mit histopathologischer Untersuchung. Klinisch werden Ausdehnung, Tiefeninvasion, Beziehung zu Zähnen und Kieferknochen sowie der Halslymphknotenstatus beurteilt. CT oder MRT dienen insbesondere der Beurteilung von Knochen-, Weichteil- und perineuraler Ausbreitung; je nach Stadium kommen Sonografie, PET/CT oder Thoraxbildgebung zur Metastasensuche hinzu.
Entzündliche oder parodontale Veränderungen, traumatische Ulzera und Osteonekrosen können klinisch ähnlich erscheinen. Eine persistierende oder progrediente Läsion sollte deshalb histologisch abgeklärt werden.
Stadieneinteilung
Die Stadieneinteilung erfolgt nach den TNM-Kriterien für Karzinome der Mundhöhle. Relevant sind insbesondere:
- größte Tumorausdehnung und Invasionstiefe
- Infiltration benachbarter Strukturen, einschließlich Kieferknochen
- Zahl, Größe und Seite befallener zervikaler Lymphknoten
- extranodale Ausbreitung
- Fernmetastasen
Eine oberflächliche Erosion des Alveolarknochens ist von einer ausgedehnten Knocheninvasion abzugrenzen.
Molekulare Marker
Für das gingivale Plattenepithelkarzinom existiert kein einzelner routinemäßiger Marker, der die anatomische Diagnose ersetzt. Eine p16-Positivität ist bei Tumoren der Mundhöhle nicht gleichbedeutend mit einem HPV-assoziierten Oropharynxkarzinom und verändert deren TNM-Zuordnung nicht entsprechend. Biomarkertests, etwa PD-L1 bei rezidivierter oder metastasierter Erkrankung, richten sich nach der konkreten Therapiesituation.
Häufige Behandlungen
Die Behandlung wird interdisziplinär nach Stadium, Resektabilität, Knochenbefall und funktionellen Gesichtspunkten geplant.
- Operative Tumorresektion, bei Knocheninfiltration gegebenenfalls mit marginaler oder segmentaler Kieferresektion
- Selektive oder therapeutische Halslymphknotendissektion abhängig vom klinischen und pathologischen Risiko
- Rekonstruktive Verfahren zur Wiederherstellung von Kontur, Kau-, Sprech- und Schluckfunktion
- Adjuvante Strahlentherapie oder Radiochemotherapie bei entsprechenden Risikofaktoren
- Definitive Radiochemotherapie bei ausgewählten nicht operablen Situationen
- Systemische Therapie und gegebenenfalls Immuntherapie bei rezidivierter oder metastasierter Erkrankung
- Zahnmedizinische Sanierung, Ernährungs-, Schmerz-, Sprech- und Schlucktherapie als unterstützende Maßnahmen
Scope Note
C03 kodiert den anatomischen Primärsitz einer bösartigen Neubildung an Gingiva bzw. Alveolar-/Kammschleimhaut und unterscheidet Oberkiefer-, Unterkiefer- oder nicht näher bezeichnetes Zahnfleisch. Der Code bildet weder Histologie, TNM-Stadium, Differenzierungsgrad noch molekulare Eigenschaften ab. Er bezeichnet keine sekundäre Metastase im Zahnfleisch und umfasst keine primären malignen odontogenen Neubildungen; diese sind gemäß Klassifikation unter C41.02–C41.1 ausgeschlossen. Lymphknoten- oder Fernmetastasen sind bei Vorliegen gesondert zu erfassen.